Maurice de Martin ist Schlagzeuger, Perkussionist, Multiinstrumentalist und Komponist im Feld zeitgenössischer und improvisierter Musik. Seit über drei Jahrzehnten entwickelt er eine eigenständige künstlerische Position zwischen Improvisation, Neuer Musik und experimentellen Klangformaten. Internationale Stationen – von New York über Berlin bis Bukarest und Seoul – prägen sein vielschichtiges Profil. Als langjähriges Mitglied des renommierten Ensembles „zeitkratzer“ sowie als Initiator zahlreicher eigener Projekte verbindet er kompositorische Präzision mit offener, prozessorientierter Arbeitsweise. Sein Werk ist in nahezu hundert Veröffentlichungen dokumentiert und umfasst darüber hinaus installative Arbeiten der Klangkunst. Neben seiner Tätigkeit als Musiker arbeitet und forscht er im Feld partizipatorischer Prozesskunst und ist seit mehr als einem Jahrzehnt als Dozent an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland tätig.
Abseits von Musik und Kunst gilt seine Leidenschaft dem Schreiben – und dem Handwerk des Pizzaiolo, in dem er vom Champion des Jahres 2017 ein Diplom zum "zertifizierten italienischen Pizzaiolo" erhielt.
MDM reüssierte 1991 als Schlagzeuger mit der Münchner Art-Rock-Band Brother Virus und deren Debütalbum „Happy Hour – Live at the Knitting Factory“ (TUTU/ENJA Records).
Von 1993 bis 1995 lebte und arbeitete er in New York City als aktives Mitglied der „Downtown-Avantgarde“ rund um die legendären Clubs Knitting Factory und CBGB's. In dieser Zeit studierte er u.a. Schlagzeug bei Dennis Charles, Gene Jackson, Sam Ulano, Michael Carvin und Joey Baron sowie zeitgenössische Musik bei Prof. Dr. Dinu Ghezzo (NYU) und dem georgischen Meisterkomponisten Giya Kancheli.
1995 zog er nach Berlin.
Von 1997 bis 1999 bereiste er mit einem DAAD-Stipendium Rumänien und Bulgarien und studierte an der Musikakademie Cluj-Napoca osteuropäische Folklore. In dieser Zeit gründete er gemeinsam mit dem rumänischen Pianisten Mircea Tiberian das Jazzensemble und internationale Musikernetzwerk Interzone; 2000 folgte das Berlin Jazz Composers Ensemble. Mit diesem entstand das Werk „Transylvaniana“, das seine Folklore-Recherchen reflektiert.
Zwischen 2000 und 2005 war de Martin Schlagzeuger in verschiedenen Formationen der polnischen „Yass“-Szene, u.a. mit Olo Walicki, Adam Pierończyk sowie im Trio des Pianisten Leszek Możdżer.
Parallel dazu arbeitete er in Berlin mit dem Free-Jazz-Bassisten Sirone sowie international mit Elliott Sharp, Gary Thomas, Tim Berne, John Taylor, Terje Rypdal, Palle Mikkelborg, Melvin Gibbs und Herb Robertson.
Seit 1999 ist de Martin festes Mitglied des renommierten Ensembles für zeitgenössische Musik zeitkratzer. Mit diesem interpretierte und veröffentlichte er Werke von John Cage, Karlheinz Stockhausen und James Tenney ebenso wie Musik von Kraftwerk und Whitehouse. Daraus entstanden Kooperationen mit Lou Reed, Laurie Anderson, Alvin Lucier, Arto Lindsay, Keiji Haino, Carsten Nicolai, Oval, Manuel Göttsching und Terre Thaemlitz.
Von 2003 bis 2008 bestand sein Trio 3D mit Christopher Dell (Vibraphon), mit dem er auf dem Label NotTwo zwei Alben veröffentlichte. Zwischen 2008 und 2010 führten ihn drei längere Aufenthalte nach Seoul zur Zusammenarbeit mit traditionellen Samulnori-Musikern und buddhistischen Trommelmönchen. Seine Kooperation mit seinem Freund und Kollegen Mircea Tiberian bestand von 1997 bis zu seinem Tod 2025. Die letzte gemeinsam publizierte Aufnahme war das Duo-Projekt "Dance around the Drageon Tree" von 2018. De Martin hat in der Bukarester Revista Cultura einen Nachruf auf Tiberian veröffentlicht.
Von 2006 bis 2009 wirkte de Martin als Komponist, Performer und musikalischer Leiter an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz (Regie: Thomas Ostermeier) und kooperierte mit der Choreografin Sasha Waltz.
Von 2009 bis 2012 lebte er in der Schweiz und erwarb an der Hochschule der Künste Bern einen Master in "Contemporary Arts Practice". In dieser Zeit übernahm er die musikalische Leitung der Zürcher Theatergruppe PLASMA.
Als Klangkünstler realisierte er 2016 als Artist in Residence im MuseumsQuartier Wien / Tonspurpassage das 8-Kanal-Hörstück „Morgenarbeit“ über die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule Wien.
Von 2018 bis 2020 arbeitete er gemeinsam mit Dirk Dresselhaus (aka Schneider TM), Hilary Jeffery und Susanne Sachsse an einem Revival der „Internationalen Damen-Showband GIRLS“, die 1967 von seiner Mutter Anny de Martin gegründet worden war. Zum 50. Todestag initiierte er das Reenactment-Album „GIRLS – Tell the Drummer I Still Love Her“, erschienen auf seinem neu gegründeten Label IZBITINZID Records, auf dem er seither vier Alben veröffentlicht hat.
Bis heute wirkte de Martin an knapp 100 Albumveröffentlichungen mit, davon 15 als Leader und vier auf seinem eigenen Label.
2021 verlegte er mit seiner Familie seinen Zweitwohnsitz auf einen Bauernhof am Fuße des Erzgebirges und richtete dort ein Studio ein.
Hier entstand 2024 das Album „Maurice de Martin Piano Trio – Conversation with Myself“, für das er mittels einer eigens während der Pandemie entwickelten, mehrstufigen Solo-Aufnahmetechnik alle Instrumente des klassischen Piano-Trios selbst einspielte. Das Album ist eine Hommage an das gleichnamige Solo-Duo-Studio-Album von Bill Evans (1963), auf der mit sich selbst improvisierte.
2023 realisierte er gemeinsam mit der Schweizer Performance-Künstlerin Saskia Edens in der Zwingli-Kirche Berlin das multidisziplinäre Werk „DANSE MACABRE“, eine Reflexion des mittelalterlichen Totentanz-Motivs zwischen Kunstperformance, Video, improvisierter und Alter Musik. Die Arbeit entstand aus einer Kooperation mit dem Barocktenor Jan Kobow, dem Lautisten Andreas Arend und der Rezitatorin Mariel Supka unter dem Titel "Kürbishütte @ Instantopia" mit Texten von Simon Dach und Kompositionen des frühbarocken Königsberger Komponisten Heinrich Albert.
Von August bis Dezember 2023 realisierte de Martin ein erstes Musikprojekt in Mittelsachsen. Wie bereits bei „Just Intonation“ handelt es sich um einen Hybrid aus experimentellem Musikprojekt und sozialem Prozesskunstprojekt – im Sinne einer Beuys’schen „Sozialen Plastik“.
In Kooperation mit der Jugend.Kunst.Schule Frankenberg und dem Sächsischen Landfrauenverband e.V. entstand die Landfrauenband – ein partizipatives Format, das Frauen unterschiedlicher Generationen aus dem ländlichen Raum zusammenbrachte. Über drei Monate entwickelte sich "from scratch" ein eigenständiges Bühnenprogramm mit Musik, Tanz und Visuals. Instrumente wurden erlernt und präpariert, elektronische Set-ups und Alltagsobjekte integriert, Spoken-Word-Texte verfasst und komplexe rhythmische Strukturen erarbeitet. Unterstützt von Gästen aus avancierten Pop-Kontexten entstand eine kollektive „Signature-Music“, die das Ensemble augenzwinkernd „NSW (Neue Sächsische Welle)“ nannte.
Die Uraufführung von Utopische Landfrauen fand am 8.12.2023 im Welt-Theater Frankenberg statt – trotz widriger Umstände mit einiger Resonanz. Das Projekt verband künstlerisches Risiko mit Empowerment, kollektiver Autorschaft und sozialer Praxis. Eine limitierte Mini-CD "Landfrauenband - Impromptus on a Prepared Piano" dokumentiert einen Teil des komplexen Gesamtwerks digital auf Bandcamp.
Sascha Waltz (&Friends), Saskia Edens, Mili Bitterli, Constanza Macras, Angela Meindl, Lucia Kasiarova, Kim Jung Sun, Hyoung-Min Kim, Gail Sharrol Skrela, Florencia Lamarca, Maximilian Brauer, Susanne Sachsse, Vaginal Davis, Jutta Hell, Mercedes Appugliese, Dieter Baumann, Alessandra Defazio, Viviana Defazio, Alexander Nickmann, Carlos Osatinsky, Fernando Pelliccioli, Anja Sielaff
2009-2011 MA "Contemporary Arts Practice", Hochschule der Künste Bern/CH
2008-2010 Studium der traditionellen koreanischen „Samulnori“-Perkussion Seoul/Südkorea
1998-1999 Osteuropäische Folklore, Academia de Muzica Cluj-Napoca/RO
1995-1997 Studium Diplom-Musikerziehnung Jazz (DME), UDK Berlin
1994-1995 Kompositionsunterricht bei Giya Kancheli, NYC & Berlin
1993-1994 Kompositionsunterricht bei Prof. Dino Ghezzo, NYU/USA
1993-1994 Ausbildung zum Straßenmusiker, Projekt „Music Under New York“/USA
Ensemble Zeitkratzer, Laurie Anderson, Keiji Haino, Elliott Sharp, Herb Robertson, Arto Lindsay, Alvin Lucier, Bern Nix, Peter Kotik, Dinu Ghezzo, Norris Jones aka Sirone, Wilbert de Joode, Tim Berne, Melvin Gibbs, Gary Thomas, Alvin Curren, Ivo Papasov, Terre Thaemlitz, Manuel Göttsching, Rechenzentrum, Carsten Nikolai aka Alva Noto, Ekkehard Ehlers, Hildur Guðnadóttir, Olo Walicki, Leszek Mozdzer, Mircea Tiberian, Franz Hautzinger, Gunnar Geisse, Christopher Dell, Chris Dahlgren, Roberta Piket, Radio Symphony Orchestra Bucharest, Baltic Philharmonic Brass Players Gdansk, Terje Rypdal, Palle Mikkelborg, Eric Mingus, Dirk Dresselhaus aka Schneider TM, Mariam Wallentin, Allan Holdsworth
Knitting Factory NYC, CBGB's NYC, Münchner Philharmonie, Konzerthaus Wien, Queen Elizabeth-Hall London, Jahrhunderthalle Bochum, Akademie der Künste Berlin, Volksbühne Berlin, Schaubühne Berlin, Haus der Kulturen der Welt Berlin, EXPO Hannover 2000, Steirischer Herbst Graz, Biennale Zagreb, Genf Archipel, Göteborg Sound Art, Donaufestival Krems, Theaterhaus Stuttgart, Stadtgarten Köln, Essener Philharmonie, Auditorio National Madrid, Les Musiques Festival Marseille, Athens Festival, Jazz Institut Darmstadt, Warsaw Jazz Jamboree, Polska Filharmonia Baltycka Gdansk, Torun Art Nova Festival, Huddersfield Contemporary Music Festival, Salamanca Festival, Disgressions Barcelona, ETNA-Fest Sicilia, Theatro-Festival Napoli, Whynote Dijon, Theatre National de Chaillot Paris, Schillertheater Berlin, Mogosoaia Palace Bucharest, KGIT Seoul,South Korea, Audiconciertos Zaragoza, Philharmonie Luxembourg, Jazzfest Berlin, ULTIMA-Festival Oslo, SWR Baden-Baden, Musik Triennale Cologne, Melos-Etos Bratislava, VWS Berlin, UdK Berlin, Palast der Republik Berlin, Radio-Music-Hall Bucharest, ARCUB Bucharest, Taktlos Zürich, Ruhrtriennale, Zollverein Essen, Ensemble-Akademie Darmstadt, C3-Festival Gdansk, Maerzmusik Berlin, Berghain Berlin, Wroclaw Avant Art, Onassis Cutural Center Athens, Sing-Sing Festival Belgrade, Sound Live Tokyo, Super Deluxe Tokyo, Klangspuren Innsbruck, Meteo Festival Mulhouse, FAR Festival Nyon, Kammerspiele München, HAU Berlin, RomaEuropa, Sacrum-Profanum Cracow, ULTIMA Oslo, Konzerthuset Copehagen, UNAM Mexico City, Roskilde-Festival, DAAD Künstlerprogramm Berlin, Tonhalle Düsseldorf, Zwingli Kirche Berlin, Vorota Kaliningrad
Thomas Ostermeier/Schaubühne am Lehniner Platz/Berlin, Janina Janke/Operdynamo West/Berlin, Lukas Bangerter/Plasma/Zürich; She She Pop/Berlin; CHEAP/Berlin, Tanzcompagnie Rubato/Berlin
Sascha Waltz (&Friends), Saskia Edens, Mili Bitterli, Constanza Macras, Angela Meindl, Lucia Kasiarova, Kim Jung Sun, Hyoung-Min Kim, Gail Sharrol Skrela, Florencia Lamarca, Maximilian Brauer, Susanne Sachsse, Vaginal Davis, Jutta Hell, Mercedes Appugliese, Dieter Baumann, Alessandra Defazio, Viviana Defazio, Alexander Nickmann, Carlos Osatinsky, Fernando Pelliccioli, Anja Sielaff
Jorinde Voigt, Christine Thepenier, Lillevan, Sebastien Dupouey, Pola Sieverding
United Nations, Auswärtiges Amt, Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM), div. Deutsche Botschaften und Konsulate, German Missions to the UN NYC & Genf, Swiss Mission to the UN Genf, Robert Bosch Stiftung, Montag Stiftung, Kulturstiftung des Bundes, Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Ausstellungsfonds für die kommunalen Galerien der Berliner Bezirke, Migros Kulturprozent, Stadt Bern, Ernst Gröhner Stiftung, Kulturreferat München, FWF (Österreichischer Wissenschaftsfonds), Deutsches Kulturforum östliches Europa, UNESCO, IBA Thüringen, Immanuel Klinik Rüdersdorf, Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft, Montag Stiftung Denkwerkstatt, Musikfonds, Musikfonds e.V.
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