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Profil · Chronik · Dokumentation ↓

Maurice de Martin (*01.10.1969)

Maurice de Martin ist Schlagzeuger, Perkussionist, Multiinstrumentalist und Komponist. Seit über drei Jahrzehnten entwickelt er eine eigenständige künstlerische Position zwischen Improvisation, zeitgenössischer Musik und experimentellem Jazz. Internationale Stationen – von New York City über Berlin bis Bukarest, Nairobi und Seoul – prägen sein vielschichtiges Profil.

Als langjähriges Mitglied des renommierten Ensembles „zeitkratzer“ sowie als Initiator zahlreicher eigener Projekte verbindet er kompositorische und improvisatorische Präzision mit offener, prozessorientierter Arbeitsweise. Sein Werk ist in nahezu hundert Veröffentlichungen dokumentiert und umfasst darüber hinaus installative Arbeiten der Klangkunst.

Neben seiner Tätigkeit als Musiker arbeitet und forscht er im Feld partizipatorischer Prozesskunst und ist seit mehr als einem Jahrzehnt als Dozent an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland tätig.

Abseits von Musik und Kunst gilt seine Leidenschaft dem Schreiben von Essays und anderen literarischen Texten  – und dem Handwerk des Pizzabackens. An der "Accademia Pizzaioli" von Enrico Famà erwarb er 2024 ein Diplom als zertifizierter italienischer Pizzaiolo; den Feinschliff der Pizzakunst erhielt er 2025 in den Pizzerien "Chinè" des italienischen Pizza-Champions, Francesco Maraschiulo in Bari und Monopoli, Apulien.

Wer/Was/Wo

2009-2011 MA "Contemporary Arts Practice", Hochschule der Künste Bern/CH
2008-2010 Studium der traditionellen koreanischen „Samulnori“-Perkussion Seoul/Südkorea
1998-1999 Osteuropäische Folklore, Academia de Muzica Cluj-Napoca/RO
1995-1997 Studium Diplom-Musikerziehnung Jazz (DME), UDK Berlin
1994-1995 Kompositionsunterricht bei Giya Kancheli, NYC & Berlin
1993-1994 Kompositionsunterricht bei Prof. Dino Ghezzo, NYU/USA
1993-1994 Ausbildung zum Straßenmusiker, Projekt „Music Under New York“/USA

Ensemble Zeitkratzer, Laurie Anderson, Keiji Haino, Elliott Sharp, Herb Robertson, Arto Lindsay, Alvin Lucier, Bern Nix, Peter Kotik, Dinu Ghezzo, Norris Jones aka Sirone, Wilbert de Joode, Tim Berne, Melvin Gibbs, Gary Thomas, Alvin Curren, Ivo Papasov, Terre Thaemlitz, Manuel Göttsching, Rechenzentrum, Carsten Nikolai aka Alva Noto, Ekkehard Ehlers, Hildur Guðnadóttir, Olo Walicki, Leszek Mozdzer, Mircea Tiberian, Franz Hautzinger, Gunnar Geisse, Christopher Dell, Chris Dahlgren, Roberta Piket, Radio Symphony Orchestra Bucharest, Baltic Philharmonic Brass Players Gdansk, Terje Rypdal, Palle Mikkelborg, Eric Mingus, Dirk Dresselhaus aka Schneider TM, Mariam Wallentin, Allan Holdsworth

Jorinde Voigt, Christine Thepenier, Lillevan, Sebastien Dupouey, Pola Sieverding

Knitting Factory NYC, CBGB's NYC, Münchner Philharmonie, Konzerthaus Wien, Queen Elizabeth-Hall London, Jahrhunderthalle Bochum, Akademie der Künste Berlin, Volksbühne Berlin, Schaubühne Berlin, Haus der Kulturen der Welt Berlin, EXPO Hannover 2000, Steirischer Herbst Graz, Biennale Zagreb, Genf Archipel, Göteborg Sound Art, Donaufestival Krems, Theaterhaus Stuttgart, Stadtgarten Köln, Essener Philharmonie, Auditorio National Madrid, Les Musiques Festival Marseille, Athens Festival, Jazz Institut Darmstadt, Warsaw Jazz Jamboree, Polska Filharmonia Baltycka Gdansk, Torun Art Nova Festival, Huddersfield Contemporary Music Festival, Salamanca Festival, Disgressions Barcelona, ETNA-Fest Sicilia, Theatro-Festival Napoli, Whynote Dijon, Theatre National de Chaillot Paris, Schillertheater Berlin, Mogosoaia Palace Bucharest, KGIT Seoul,South Korea, Audiconciertos Zaragoza, Philharmonie Luxembourg, Jazzfest Berlin, ULTIMA-Festival Oslo, SWR Baden-Baden, Musik Triennale Cologne, Melos-Etos Bratislava, VWS Berlin, UdK Berlin, Palast der Republik Berlin, Radio-Music-Hall Bucharest, ARCUB Bucharest, Taktlos Zürich, Ruhrtriennale, Zollverein Essen, Ensemble-Akademie Darmstadt, C3-Festival Gdansk, Maerzmusik Berlin, Berghain Berlin, Wroclaw Avant Art, Onassis Cutural Center Athens, Sing-Sing Festival Belgrade, Sound Live Tokyo, Super Deluxe Tokyo, Klangspuren Innsbruck, Meteo Festival Mulhouse, FAR Festival Nyon, Kammerspiele München, HAU Berlin, RomaEuropa, Sacrum-Profanum Cracow, ULTIMA Oslo, Konzerthuset Copehagen, UNAM Mexico City, Roskilde-Festival, DAAD Künstlerprogramm Berlin, Tonhalle Düsseldorf, Zwingli Kirche Berlin, Vorota Kaliningrad

Thomas Ostermeier/Schaubühne am Lehniner Platz/Berlin, Janina Janke/Operdynamo West/Berlin, Lukas Bangerter/Plasma/Zürich; She She Pop/Berlin; CHEAP/Berlin

Sascha Waltz (&Friends), Saskia Edens, Mili Bitterli, Constanza Macras, Angela Meindl, Lucia Kasiarova, Kim Jung Sun, Hyoung-Min Kim, Gail Sharrol Skrela, Florencia Lamarca, Maximilian Brauer, Susanne Sachsse, Vaginal Davis, Jutta Hell, Mercedes Appugliese, Dieter Baumann, Alessandra Defazio, Viviana Defazio, Alexander Nickmann, Carlos Osatinsky, Fernando Pelliccioli, Anja Sielaff, Tanzcompagnie Rubato/Berlin

United Nations, Auswärtiges Amt, Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM), div. Deutsche Botschaften und Konsulate, German Missions to the UN NYC & Genf, Swiss Mission to the UN Genf, Robert Bosch Stiftung, Montag Stiftung, Kulturstiftung des Bundes, Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Ausstellungsfonds für die kommunalen Galerien der Berliner Bezirke, Migros Kulturprozent, Stadt Bern, Ernst Gröhner Stiftung, Kulturreferat München, FWF (Österreichischer Wissenschaftsfonds), Deutsches Kulturforum östliches Europa, UNESCO, IBA Thüringen, Immanuel Klinik Rüdersdorf, Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft, Montag Stiftung Denkwerkstatt, Musikfonds, Musikfonds e.V.

CD/LP/MC/DVD

Komplette Diskografie auf Discogs

Chronik

MDM reüssierte 1991 als Schlagzeuger mit der Münchner Art-Rock-Band Brother Virus und deren Debütalbum „Happy Hour – Live at the Knitting Factory“ (TUTU/ENJA Records).  Mit dieser Band war er regelmäßiger Live-Gast bei der ARD/BR-Polit-Talkshow "Veranda: Gäste bei Dagobert Lindlau".

Von 1993 bis 1995 lebte und arbeitete er in New York City als aktives Mitglied der „Downtown-Avantgarde“ rund um die legendären Clubs Knitting Factory und CBGB's. In dieser Zeit studierte er u.a. Schlagzeug bei Dennis Charles, Gene Jackson, Sam Ulano, Michael Carvin und Joey Baron sowie zeitgenössische Musik bei Prof. Dr. Dinu Ghezzo (NYU) und dem georgischen Meisterkomponisten Giya Kancheli.

1995 zog MdM nach Berlin.

Von 1997 bis 1999 bereiste MdM mit einem DAAD-Stipendium Rumänien und Bulgarien und studierte an der Musikakademie Cluj-Napoca osteuropäische Folklore. In dieser Zeit gründete er gemeinsam mit dem rumänischen Pianisten Mircea Tiberian das Jazzensemble und internationale Musikernetzwerk „Interzone“, mit dem über einen Zeitraum von 20 Jahren 15 Alben sowie zahlreiche internationale Tourneen mit mehr als 50 namhaften Musikerinnen und Musikern aus West- und Osteuropa realisiert wurden. Das Projekt war für seine ungewöhnliche Verbindung von zeitgenössischem Jazz mit Einflüssen osteuropäischer Folklore bekannt.

2000 folgte die Gründung des "Berlin Jazz Composers Ensemble". In diesem Kontext entstand das Werk „Transylvaniana“, das seine Folklore-Recherchen reflektiert und als Höhepunkt seiner Arbeit in Osteuropa gilt.

Zwischen 2000 und 2005 war de Martin Schlagzeuger in verschiedenen Formationen der polnischen „Yass“-Szene, u.a. mit Olo Walicki's "Metalla Pretiosa", Adam Pierończyk's "Digivooco" sowie im Trio des Pianisten Leszek Możdżer.

Parallel dazu arbeitete er in Berlin mit dem Free-Jazz-Bassisten Sirone sowie international mit Elliott Sharp, Gary Thomas, Tim Berne, John Taylor, Terje Rypdal, Palle Mikkelborg, Melvin Gibbs und Herb Robertson.

Seit 1999 ist de Martin festes Mitglied des renommierten Ensembles für zeitgenössische Musik zeitkratzer. Mit diesem interpretierte und veröffentlichte er Werke von John Cage, Karlheinz Stockhausen und James Tenney ebenso wie Musik von Kraftwerk und Whitehouse. Daraus entstanden Kooperationen mit Lou Reed, Laurie Anderson, Alvin Lucier, Arto Lindsay, Keiji Haino, Carsten Nicolai, Oval, Manuel Göttsching und Terre Thaemlitz.

Von 2003 bis 2008 bestand sein Trio 3D mit Christopher Dell (Vibraphon), mit dem er auf dem Label NotTwo zwei Alben veröffentlichte. Zwischen 2008 und 2010 führten ihn drei längere Aufenthalte nach Seoul zur Zusammenarbeit mit traditionellen Samulnori-Musikern und buddhistischen Trommelmönchen.

Seine Kooperation mit seinem Freund und Kollegen Mircea Tiberian bestand von 1997 bis zu seinem Tod 2025. Die letzte gemeinsam publizierte Aufnahme war das Duo-Projekt "Dance around the Drageon Tree" von 2018. De Martin hat in der Bukarester Revista Cultura einen Nachruf auf Tiberian veröffentlicht.

Als vorerst letzte Arbeit in Rumänien realisierte MdM während der COVID-Pandemie „Auf den Treppen des Winds“, eine Hommage an den rumäniendeutschen Dichter Rolf Bossert. Das Stück wurde im Oktober 2021 (und erneut 2022) am "Deutschen Staatstheater Temeswar" uraufgeführt. In einem Interview mit dem "FunkForum" der deutschen Minderheiten in Rumänien beschreibt MdM seine Arbeit dort während des Lockdowns.

Von 2006 bis 2009 wirkte de Martin als Komponist, Performer und musikalischer Leiter an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz (Regie: Thomas Ostermeier) und kooperierte mit den Choreografinnen Sasha Waltz und Constanza Macras.

Von 2009 bis 2012 lebte er in der Schweiz und erwarb an der Hochschule der Künste Bern einen Master in "Contemporary Arts Practice". In dieser Zeit übernahm er die musikalische Leitung der Zürcher Theatergruppe PLASMA und kooperierte mit dem Berner Kollektiv elektronischer Musik "Mathon" @ Everest Records.

Als Klangkünstler realisierte er 2016 als Artist in Residence im MuseumsQuartier Wien / Tonspurpassage das 8-Kanal-Hörstück „Morgenarbeit“ über die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule Wien.

Von 2018 bis 2020 arbeitete er gemeinsam mit Dirk Dresselhaus (aka Schneider TM), Hilary Jeffery und Susanne Sachsse an einem Revival der „Internationalen Damen-Showband GIRLS“, die 1967 von seiner Mutter Anny de Martin gegründet worden war. Zum 50. Todestag initiierte er das Reenactment-Album „GIRLS – Tell the Drummer I Still Love Her“, erschienen auf seinem neu gegründeten Label IZBITINZID Records, auf dem er seither vier Alben veröffentlicht hat.

Bis heute wirkte de Martin an knapp 100 Albumveröffentlichungen mit, davon 15 als Leader und vier auf seinem eigenen Label. 

In den Jahren 2020 und 2021 arbeitete de Martin als musikalischer Betreuer in der Patienten-Notversorgung der psychiatrischen Abteilung der "Immanuel-Klinik Rüdersdorf" bei Berlin und entwickelte dabei seine Methodik einer "Zeitpraxis", wie er sie heute im Rahmen seines Projekt CHRONARTA einsetzt.

Zu Zeiten der Lockdowns verlegte er mit seiner Familie seinen Zweitwohnsitz auf einen Bauernhof in Sachsen am Fuße des Erzgebirges und richtete dort ein Studio ein. Seitdem pendelt er zwischen Großstadt und Dorf mit gegenseitig sich befruchtenden Arbeiten in beiden Kulturräumen.

In seinem Studio entstand 2022 sein Solo-Album "Radical Cultural Approximation", das das traditionelle rumänische "Țambal mic" zum Thema hat und 2024 als weiteres Solo-Album „Maurice de Martin Piano Trio – Conversation with Myself“, für das er mittels einer eigens während der Pandemie entwickelten, mehrstufigen Solo-Aufnahmetechnik alle Instrumente des klassischen Piano-Trios selbst einspielte. Das Album ist eine Hommage an das gleichnamige Solo-Duo-Studio-Album von Bill Evans (1963), auf der mit sich selbst improvisierte.

2023 realisierte er in Berlin gemeinsam mit der Schweizer Performance-Künstlerin Saskia Edens in der Zwingli-Kirche das multidisziplinäre Werk „DANSE MACABRE“, eine Reflexion des mittelalterlichen Totentanz-Motivs zwischen Kunstperformance, Video, improvisierter und Alter Musik. Die Arbeit entstand aus einer Kooperation mit dem Barocktenor Jan Kobow, dem Lautisten Andreas Arend und der Rezitatorin Mariel Supka unter dem Titel "Kürbishütte @ Instantopia" mit Texten von Simon Dach und Kompositionen des frühbarocken Königsberger Komponisten Heinrich Albert. Aus der Arbeit produzierte der Dokumentarfilmer Vincent Schläger einen Kurzfilm.

In Kooperation mit der Jugend.Kunst.Schule Frankenberg und dem Sächsischen Landfrauenverband e.V. entstand 2023 die Landfrauenband – ein partizipatives Format, das Frauen unterschiedlicher Generationen aus dem ländlichen Raum zusammenbrachte. Über drei Monate entwickelte sich "from scratch" ein eigenständiges Bühnenprogramm mit Musik, Tanz und Visuals. Unterstützt von Gästen aus avancierten Pop-Kontexten entstand eine kollektive „Signature-Music“.

Die Uraufführung von Utopische Landfrauen fand am 8.12.2023 im Welt-Theater Frankenberg statt. Das Projekt verband Empowerment mit kollektiver Autorschaft und sozialer Praxis. Eine limitierte Mini-CD "Landfrauenband - Impromptus on a Prepared Piano" dokumentiert einen Teil des komplexen Gesamtwerks digital auf Bandcamp.

Als größeres Schreibprojekt für die kommenden zwei Jahre plant MdM ein Buch über seine 25-jährige Lebens- und Arbeitszeit in Osteuropa. 

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